Verdauung – Psyche und Entspannung

Geheimer Draht zwischen Magen und Hirn:
Unsere Sprache enthüllt, wie eng Psyche und Verdauung miteinander zusammenhängen: Verliebte haben “Schmetterlinge im Bauch”, Liebeskummer kann bewirken, dass der Magen “wie zugeschnürt” ist oder große Mengen “Trostschokolade” verzehrt werden, um über den Kummer hinwegzukommen.

 

Stress, eine bevorstehende Prüfung oder sonstige emotionale Ereignisse können einem ganz schön “auf den Magen” schlagen, eine verzwickte Situation bereitet Magenschmerzen und wer Angst hat, hat “Schiss”.

Gestresster Darm
Tatsächlich kann die Psyche die Verdauung erheblich beeinflussen. Manche Menschen bekommen Durchfall, wenn sie Stress haben, andere können in solchen Situationen tagelang nicht auf die Toilette. Bei empfindlichen Menschen reicht oft schon eine kleine Abweichung vom Tagesrhythmus oder eine andere Umgebung, und die Verdauung gerät aus dem Takt.
Warum das so ist, ist noch nicht völlig geklärt. Allerdings weiß man, dass unter Stress der sogenannte Sympathikus die Regie der Körperprozesse übernimmt. Er ist jener Teil des vegetativen Nervensystems, der den Körper für Kampf, Flucht und andere Herausforderungen bereit macht: Der Herzschlag beschleunigt sich, die Atemfrequenz steigt. In solchen Situationen rauben Verdauungsprozesse wertvolle Energie – die Darmaktivität wird daher heruntergefahren. Dauerstress kann somit die Verdauung empfindlich stören. Unter Stress nimmt unter anderem die Zahl der Milchsäurebakterien erheblich ab, welche für eine gute Verdauung wichtig sind.

Essen als Stimmungsmacher
Umgekehrt kann das, was wir zu uns nehmen, unsere Gefühle beeinflussen. Wir essen nicht nur, weil wir hungrig sind, sondern auch aus Kummer, Langeweile oder zur Stressbekämpfung. Essen lenkt ab und kann helfen, unangenehme Erlebnisse wie eine nicht bestandene Prüfung oder Liebeskummer schneller zu bewältigen und die seelische Balance wiederzufinden.
Wie das funktioniert, ist noch unklar. Man weiß jedoch, dass der Körper bestimmte Botenstoffe wie Adrenalin oder Serotonin aus Eiweißbausteinen (Aminosäuren) baut, die wir mit der Nahrung aufnehmen. Diese Neurotransmitter steuern unser Gefühlsleben.
Ein wichtiger Eiweißbaustein ist Tryptophan, aus dem der Körper Serotonin herstellt. Es unterdrückt im Gehirn vor allem Gefühle wie Angst oder Aggressionen. Serotonin kann antidepressiv wirken und wird deshalb häufig als “Glückshormon” bezeichnet. Serotonin kommt in vielen Lebensmitteln vor, unter anderem in Bananen und Kakaobohnen.

Die Serotonin-Konzentration solcher Lebensmittel reicht jedoch nicht für eine spürbare Wirkung aus. Sie können jedoch darauf achten, ausreichend Tryptophan zu sich zu nehmen, um ihrem Körper genug Ausgangsmaterial für die Serotonin-Herstellung bereitzustellen. Reich an Tryptophan sind beispielsweise Cashewkerne, Fleisch, Lachs, Erbsen und Kakaopulver. Kohlenhydrat- und fettreiche Mahlzeiten sollen die Serotonin-Produktion steigern – eine mögliche Begründung, warum Schokolade bei vielen Menschen als “Seelentröster” beliebt ist.

Techniken zur Stressbekämpfung
Menschen, die auf Stress mit Magen-Darm-Beschwerden reagieren, sollten Techniken erlernen, um ihre Gefühle besser zu verarbeiten. Die Stressoren, die auf den Darm wirken, können so vermieden oder abgebaut werden. Die Anwendung solcher Techniken bezeichnen Psychologen als Stressmanagement.
Hilfreich ist darüber hinaus, sich Entspannungsverfahren anzueignen, zum Beispiel Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Yoga. Mit diesen Entspannungsmethoden kann man die Funktionen des Magen-Darm-Traktes indirekt steuern. Bewusst funktioniert dies nicht – wir können unserem Darm nicht einfach befehlen: “Entleere Dich!”.

Entspannt Speisen
Menschen, die auf Stress empfindlich reagieren, sollten zudem ihr Essverhalten ändern, damit der Druck ihnen nicht auf den Magen schlägt. Planen Sie Ihre Mahlzeiten so, dass anschließend noch Zeit für ein Entspannungspäuschen bleibt. Gönnen Sie sich einen Spaziergang, eine Tasse Kaffee oder etwas Lektüre. Nur in Ruhe kann die Verdauung aktiv werden. Wer tagsüber keine Zeit für ein Essen mit Genuss hat, kann versuchen, die größeren Mahlzeiten auf die ruhigeren Abendstunden zu legen.

Krankhaftes Essen
Eine gestörte seelische Balance kann sich im Extremfall zur Krankheit auswachsen. Wer sich nicht gut fühlt und das mit zu viel Essen bekämpft, den plagen anschließend häufig Schuldgefühle. Manche reagieren darauf mit weiteren Essattacken – ein Teufelskreis. In schweren Fällen kann sich daraus eine Essstörung entwickeln, zum Beispiel eine krankhafte Ess- oder Ess-Brech-Sucht. Wieder andere versuchen Kontrolle über ihren Körper und ihr Leben zu gewinnen, indem sie Essen wo es geht vermeiden – sie schlittern in eine Magersucht. Es ist wichtig, hier professionelle Hilfe anzunehmen.